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15.02.2013
| Martin Bauer
Banken im Internet / Kongresse 2013
Banken im Internet

Die Bankenbranche ist im Umbruch. Beherrschende Themen sind Verringerung des Risikos, mehr Eigenkapital, Selbstverantwortung wird groß geschrieben und die Kultur soll sich ändern.

Beispiele: Beim European Banking Congress 2012 hieß das gesamte Motto "Rethinking Finance". Beim CFO-Kongress 2013 wird unter anderem über erfolgreiche Restrukturierungen und neue Geschäftsmodelle diskutiert.
Und auch wenn man die Pressemeldungen und Werbespots einzelner Unternehmen anschaut: Die Commerzbank ist die Bank, "die nicht einfach so weitermacht". Die Deutsche Bank hat sich gar einem kompletten Kulturwandel verschrieben.

Doch was heißt das eigentlich? Sieht man die Ergebnisse auch online in den Webauftritten?

Wir haben nachgeschaut. Aus der Fülle an relevanten Themen haben wir eines herausgepickt: Die Geldanlage - für Privatkunden und mittelständische Geschäftsleute.

Als konkretes Beispiel haben wir folgende Szenarien durchgespielt:

  1. Ein Privatkunde hat 10.000 Euro mittelfristig anzulegen
  2. Ein Geschäftskunde hat 100.000 Euro kurzfristig anzulegen

Beide sind sicherheitsorientiert und wollen eine optimale Verzinsung erzielen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten historischer Niedrigzinsen und Unsicherheiten im Euroraum und darüber hinaus. Da ist Beratung gefragt. Doch ist im oder über das Internet davon etwas zu finden? Werden die Angebote transparent und einfach nachvollziehbar präsentiert? Ist klar, ob es sich um hauseigene Angebote handelt? Kann ich direkt online abschließen?

Im Test:Die Websites von Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank, Sparkasse und comdirekt

Die Herausforderung in puncto Übersichtlichkeit zeigt sich direkt auf der Startseite. Dass das Wording wichtig ist und für die Usability ein entscheidender Faktor weiß jeder Shopbetreiber und jeder Gestalter von Werbebannern. Doch bei den Banken? Gehöre ich als Unternehmer zum Geschäftskunden oder zum Mittelstand (Deutsche Bank)? Ist Anlagemanagement das was ich brauche und wenn ja, warum gibt es in dieser Rubrik zu "Kleinen und mittleren Unternehmen" auch einen Unterpunkt "Vermögensdepot privat" (HypoVereinsbank)? Bin ich Geschäftskunde oder Firmenkunde (Postbank und Commerzbank)? Ist "Vermögensaufbau" für meine private Anlage wirklich die richtige Rubrik und wenn ja, welcher der 20 Teaser auf der Seite hilft mir jetzt weiter (Sparkasse)? Bei der comdirekt suche ich als Firmenkunde den betreffenden Begriff vergeblich. Die wollen mich anscheinend nicht haben.

Interessanter wird es auf den Anlageseiten selbst. Die Deutsche Bank überzeugt hier sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich mit Übersichtlichkeit und klaren Formulierungen. Die Konditionen der Produkte sind unmittelbar zugänglich. Weiterführende Informationen in pdf-Form hinterlegt. Hier werde ich als User gut abgeholt und auf charmante Art zur Vereinbarung eines Beratungstermines gelotst. Das macht Sinn, um die einzelnen Produkte persönlich durchzusprechen. Anrufen kann ich rund um die Uhr oder meine Nummer zum Rückruf hinterlegen.

Ganz anders bei der HypoVereinsbank. Hier werde ich als Privatkunde im Anlagebereich direkt aufgefordert einen Typ-Test zu machen. Dieser führt zu 4 Dachfonds-Typen auf Basis moderner Exchange Traded Funds (ETFs). Das kann ich zwar direkt online abschließen, verstanden habe ich aber nicht alles. So funktioniert "neues Banking" eher nicht. Auch als Unternehmer werde ich aus den angebotenen Produkten nicht komplett schlau. Der am seitlichen Rand verfügbare "Kundenservice" läßt mich auch nicht auf kompetente Beratung schließen. Ich surfe weiter zur nächsten Bank.

Bei der Postbank ist alles viel einfacher. Nachdem ich über das Wort "Sparen" zum Bereich "Geld anlegen" gekommen bin, erkenne ich schnell, dass es für meine 10.000 Euro nur ein Produkt gibt. Da brauche ich auch keine Beratung mehr. Wenn ich der Postbank und ihrem Produkt vertraue, kann auch direkt online abgeschlossen werden. Im geschäftlichen Bereich ist es mit zwei relevanten Produkten ähnlich leicht. Insgesamt ist das überzeugend, wenn auch klar auf Schnelligkeit angelegt. Für meinen Beratungsbedarf werde ich nicht überzeugt, surfe also weiter.

Die Commerzbank geht der Einfachheit halber davon aus, dass Unternehmer und Privatperson irgendwie gleich sind und macht beiden auf einer Seite die gleichen Angebote. Da geht einiges daneben. Wenn ich beispielsweise von commerzbank.de bei Geschäftskunden auf Geldanlage klicke, gelange ich zu einer Seite mit einem Sammelsurium an Anlagemöglichkeiten, die ich alle nicht möchte. Das Tagesgeld-Konto ist aber beispielsweise nicht dabei, sondern versteckt sich nach einigem Suchen im Bereich "Zahlen & Finanzieren". Da sucht es vermutlich kaum jemand. Zum Kontakt wird im Anlagebereich gleich gar nicht verwiesen. Insgesamt weder überzeugend noch animierend.

Auch die Sparkasse präsentiert in ihren Bereichen "Vermögensaufbau" für Privatkunden und "Anlage & Vermögen" für Firmenkunden ein unglaubliches Durcheinander bis hin zur Erbschaftssteuer. Das ist zwar gut gemeint, aber total unübersichtlich. Überzeugend ist, dass ich beim Klick zur Kontaktaufnahme direkt zu meiner zuständigen Sparkasse vor Ort geleitet werde. Das Geotargeting scheint hier gut zu funktionieren. Der Internetauftritt hat jedoch noch sehr viel Optimierungsbedarf. Bei einer reinen Onlinebank wird das doch sicherlich besser sein?

Also noch zur comdirekt. Nachdem für den Firmenkunden ja nichts zu finden ist, bleibt noch der Privatmann mit den aktuell 10.000 Euro. Im Bereich "Konto & Geldanlage" werde ich stutzig. Hier gibt es zwei Bereiche: Anlagekonten und Anlageberatung PLUS. Bei den Anlagekonten finden sich die üblichen Produkte Tagesgeld, Festgeldkonto, Laufzeitkonto - sehr klar und übersichtlich präsentiert und natürlich zum direkten Onlineabschluß. Wesentlich interessanter finde ich aber den PLUS-Bereich. Hier wird mir eine kostenpflichtige Beratung auf Honorarbasis angeboten, nicht ausgerichtet an Erfolgsprovisionen, sondern an meinen Wünschen, meinem Sicherheitsbedürfnis und meinen Kaufentscheidungen. Da hat mal jemand etwas verstanden. So muss Banking heute sein. Da können sich alle anderen Banken eine mehr oder weniger große Scheibe abschneiden. Diese Angebotsform kann und sollte selbstverständlich wie hier gut online präsentiert werden, kann aber natürlich genau so gut von einer Filialbank gelebt werden.

Wir wünschen uns mehr Angebote wie das der comdirekt - und das dann auch für Geschäftskunden.

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